Methoden für den Schutz alpiner Vogelarten
Alpine Lebensräume gehören zu den sensibelsten Ökosystemen Europas. Sie sind stark vom Klimawandel, von Veränderungen der Landnutzung und vom zunehmenden Druck durch Freizeit- und Tourismusaktivitäten betroffen. Besonders deutlich zeigen sich diese Veränderungen bei den Vogelarten der Hochlagen: Viele Bestände gehen zurück, ihre Verbreitungsgebiete verschieben sich nach oben, und einige Arten stehen inzwischen europaweit auf der Roten Liste.
Das Forschungsprojekt „Montagna in ascolto“ widmet sich vier typischen, aber stark gefährdeten Hochgebirgsvögeln: dem Alpenbraunelle (Prunella collaris), dem Mauerläufer (Tichodroma muraria), dem Zitronenzeisig (Carduelis citrinella) und vor allem dem Alpenbraunellen nahen Verwandten, dem Schneefinken (Montifringilla nivalis). Diese Arten sind durch ihre Spezialisierung auf extreme Lebensräume besonders verletzlich und stellen gleichzeitig wertvolle Indikatoren für den Zustand der alpinen Biodiversität dar.
Ziel des Projekts ist es, neue Methoden zur Erfassung dieser schwer zu beobachtenden Arten zu entwickeln und zu testen. Herkömmliche Monitoringverfahren wie Punktzählungen oder automatische Tonaufnahmen stoßen hier an ihre Grenzen, da die Tiere sehr mobil sind, oft in geringer Dichte vorkommen und in schwer zugänglichen Lebensräumen brüten. Durch den Vergleich unterschiedlicher Ansätze will das Projekt ein zuverlässiges und kosteneffizientes Protokoll erarbeiten, das künftig sowohl in Südtirol als auch in anderen alpinen Regionen angewandt werden kann.
Neben der Methodik spielt auch die Erhebung neuer Verbreitungsdaten eine zentrale Rolle: Viele Gebiete Südtirols sind bislang kaum untersucht, was eine fundierte Einschätzung des Erhaltungszustands erschwert. Die neuen Daten fließen in die naturkundliche Datenbank des Museums ein und werden auf der Plattform www.florafauna.it öffentlich zugänglich gemacht.
Mit diesem Projekt leistet das Naturmuseum Südtirol einen wichtigen Beitrag zum Verständnis und Schutz der alpinen Vogelwelt. Die Ergebnisse sollen nicht nur in Fachzeitschriften veröffentlicht werden, sondern auch in die Naturschutzpraxis einfließen und Bürgerwissenschaftler*innen neue Möglichkeiten der Mitarbeit eröffnen.