Leben mit dem Supervulkan

2020
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2022

15 Millionen Jahre lang beherrschte ein Supervulkan das Gebiet rund um Bozen. Wie und wo konnten Tiere und Pflanzen überleben?

Vulkane verdeutlichen uns die inneren Kräfte der Erde, und als solche faszinieren sie uns. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk den Mega-Calderas und Supervulkanen wegen ihrer potenziell verheerenden globalen Auswirkungen auf das Leben und das Klima. Einige der berühmtesten Supervulkane der Erdgeschichte stehen im Zusammenhang mit Massenaussterben. Die Untersuchung an ihnen kann uns helfen, das Verhalten der heutigen Mega-Calderas zu verstehen und vorherzusagen. Zahlreiche Studien belegen die Auswirkungen vergangener Supervulkane auf das globale Klima, aber nur wenige Studien erforschen die direkten Auswirkungen solcher Ausbrüche auf die Ökosysteme, vor allem wegen des Mangels an Sedimentablagerungen, die in direktem Zusammenhang mit vulkanischen Gesteinen stehen.

 

Dies macht das Perm (vor circa 280 Millionen Jahre) als Mega-Caldera im Raum Bozen besonders interessant. Die explosiven Superausbrüche, welche die Etschtaler Vulkanit-Gruppe schufen, erstreckten sich über einen Zeitraum von 15 Millionen Jahren. Die vulkanischen Gesteine wechseln sich mit Sedimentgesteinen ab, die sich während der vulkanischen Ruhephasen ablagerten. Diese Sedimente sind besonders interessant, da sie eine Vielzahl von Fossilien, darunter Spurenfossilien und Pflanzen und das älteste Wirbeltier der Alpen, enthalten.

 

Das interdisziplinäre Projekt zielt darauf ab, Sedimentologie, Vulkanologie, Petrographie, Paläontologie der Wirbeltiere und Wirbellosen, Paläobotanik, Palynologie und Geochemie zu integrieren, um die terrestrischen Ökosysteme des frühen Perm der Etschtaler Vulkanit-Gruppe und den Einfluss des Vulkanismus auf diese zu rekonstruieren. Es liefert wichtige Einblicke in die Entwicklung der Ökosysteme durch die Eruptionen der Mega-Caldera. Die stratigraphische und räumliche Anordnung der Sedimentbecken erlaubt es, die Auswirkungen des Vulkanismus in verschiedenen Entfernungen zum Eruptionszentrum zu beobachten. Dies ist besonders interessant, weil das frühe Perm durch eine Veränderung der Flora und Fauna aufgrund eines globalen Klimawandels gekennzeichnet ist. Wir untersuchen, ob und wie die Entwicklung der Ökosysteme den globalen paläoklimatischen Wandel in diesem Intervall widerspiegelt. Darüber hinaus ermöglichen die radiometrisch datierten Vulkangesteine außergewöhnliche zeitliche Einstufungen für die Sedimentgesteine und die in ihnen enthaltenen Tiere und Pflanzen.

Bild: Brocken Inaglory

 

Projektverantwortliche: Evelyn Kustatscher