Die Flexiblen haben mehr Chancen

10. April

In den Bergen ändern sich die Umweltbedingungen rasch. Einige Vogelarten reagieren darauf mit Mikro-Migrationen und siedeln in Gebiete um, wo sie bessere Bedingungen zum Brüten finden.

Das ist eines der Ergebnisse eines Forschungsprojekts des Naturmuseum Südtirol. Vor kurzem erschien dazu ein Artikel in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports.

 

“Zahlreiche Studien belegen, dass sich der Verlust von Lebensräumen, die Intensivierung der Landwirtschaft oder klimatische Veränderungen negativ auf die Vogelwelt auswirken. Mehr über die Verbreitung und die bevorzugten Lebensräume der Vögel zu wissen, ist für ihren Erhalt sehr wichtig.” Der Ornithologe Francesco Ceresa fasst so den Ansatz eines Forschungsprojektes des Naturmuseums Südtirol zusammen, das die Verbreitung und die Gefährdung der heimischen Vögel untersucht. “Hier setzt auch unsere Untersuchung an, die sehr innovativ für den alpinen Raum ist,” betont Ceresa.

 

Die Ergebnisse dieses Projektabschnittes an denen ein Forscherteam aus Italien und Spanien arbeitete, ist vor kurzem in der internationalen Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen (der Zugang zum Artikel erfolgt über den Link https://rdcu.be/b3lyM). Finanziert wird das Projekt vom Forschungsfond der Landesmuseen.

 

Der Artikel stellt ein Verhalten der Vögel vor, das bisher wenig bekannt ist, aber vermutlich unter Vögeln ziemlich gängig ist. Francesco Ceresa erklärt: „Nach einer ersten Brut, die erfolgreich verlief oder fehlschlug, versuchen einige Individuen innerhalb derselben Brutsaison eine zweite Brut an einem anderen Ort. Das Forschungsteam stellte dabei fest, dass einige Paare in der nächsten Nähe oder aber auch viele Kilometer entfernt eine weitere Brut versuchen.“ Die Elternvögel suchen also Gebiete mit geeigneteren Bedingungen für die Aufzucht, wobei sie die Wahl des neuen Brutplatzes an die sich ändernden Umweltbedingungen anpassen, die während der Brutsaison auftreten können, wie z.B. Temperaturanstieg, die Entwicklung der Vegetation oder Veränderungen im Nahrungsangebot. Dieses Verhalten wurde im alpinen Raum oder in höher gelegenen Gebieten bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht.

 

Die Anwesenheit einer Reihe von Singvögeln wurde während der Brutsaison in einem weitläufigen Berggebiet wiederholt überprüft. Das Ergebnis: Arten wie Bergpieper, Heckenbraunelle, Rotkehlchen oder Tannenmeise änderten ihr Vorkommen im Gebiet mit der Zeit, auch innerhalb weniger Wochen. Es stellte sich heraus, dass dies nicht vom Zufall abhing; die genannten Vogelarten richteten sich in gewissen Lebensräumen ein oder verlieβen sie aufgrund von charakteristischen Umweltfaktoren.

 

„Die Fähigkeit bestimmter Vogelarten, sich innerhalb weniger Wochen passendere Lebensräume zu suchen, stimmt zuversichtlich“, meint Francesco Ceresa. Wenn wir an die zukünftigen Szenarien denken, die geprägt sein werden von einem deutlichen Klimawandel, ist eine solche Flexibilität für diese Arten von groβem Vorteil.

 

Diese erzielten Forschungsergebnisse bereichern nicht nur den Wissensstand rund um die Vögel im alpinen Raum, sondern unterstützen methodisch auch künftige Erhebungen, die unerlässlich für den Erhalt der Vogelwelt und für den Lebensraumschutz sind.

Bild: Jacob Spinks from Northamptonshire, England – Robin

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