Pfiati, Romano

Thema: News
14. September

In Erinnerung an Romano Kohlmayer – ein persönlicher Nachruf seiner Weggefährtinnen und Weggefährten

Der folgende persönliche Nachruf wurde von Fledermauskundlerinnen und Fledermauskundlern verfasst, die dem Naturmuseum Südtirol seit vielen Jahren fachlich und freundschaftlich verbunden sind. Romano Kohlmayer teilte mit ihnen die Begeisterung für Fledermäuse und engagierte sich über viele Jahre für deren Erforschung und Schutz. Auch bei einzelnen Veranstaltungen und Vermittlungsangeboten des Naturmuseums und des Planetariums Südtirol wirkte er mit. Gerne geben wir seinen Weggefährtinnen und Weggefährten an dieser Stelle Raum, um an ihn und sein Wirken zu erinnern.

Pfiati, Romano

Uns fehlt Romano Kohlmayer.

 

Es fällt schwer zu begreifen, dass er nicht mehr da ist. Romano war für uns weit mehr als ein langjähriger Kollege und Weggefährte. Er war ein Freund, ein begeisterter Naturkundler, ein leidenschaftlicher Lehrer und einer, der mit seinem Humor, seiner Großzügigkeit und seiner unerschöpflichen Neugier viele Menschen bereichert hat.

 

Die Natur war seine große Leidenschaft. Ob bei den Wölfen in Mittelitalien, beim Tauchen im Mittelmeer, bei naturkundlichen Führungen oder auf Exkursionen mit seinen Schülerinnen und Schülern: Draußen, mitten in der Natur, war Romano in seinem Element. Wenn ihn etwas interessierte, dann nicht nur ein bisschen. Dann brannte er dafür und verstand es, auch andere mit seiner Begeisterung anzustecken.

 

Ganz besonders galt seine Leidenschaft den Fledermäusen, diesen geheimnisvollen nächtlichen Flattertieren. Romano studierte Biologie und Zoologie und beschäftigte sich in seiner Diplomarbeit mit dem Nahrungsspektrum und den Jagdhabitaten des Großen Mausohrs in der Südtiroler Kulturlandschaft bei Gargazon. Dafür nahm er Fledermausguano unter die Lupe und bestimmte die darin enthaltenen Nahrungsreste. Selbst für Fledermauskot konnte er sich begeistern und machte darin eine faszinierende Welt sichtbar.

 

Die Pfarrkirche von Gargazon und ihre große Mausohrkolonie nahmen dabei einen besonderen Platz in seinem Herzen ein. Wie viele Menschen hat Romano im Laufe der Jahre wohl dorthin begleitet, um mit ihnen das beeindruckende Schauspiel der ausfliegenden Fledermäuse zu erleben? Wie oft hat er erklärt, erzählt, Fragen beantwortet und seine Begeisterung weitergegeben?

 

Dabei konnte ihn nicht einmal die Tatsache aufhalten, dass er eigentlich nicht schwindelfrei war. Wenn Fledermäuse in einem Dachboden oder in einem Kirchturm gezählt werden mussten, stieg Romano trotzdem hinauf. Seine Neugier und seine Passion waren stärker als seine Höhenangst.

 

Wenn bei einer Fledermausaktion Hilfe gebraucht wurde, war Romano zur Stelle. Bei Ausflugszählungen in Kirchen und auf Friedhöfen, bei den herbstlichen Beobachtungen der Abendsegler, bei Begehungen von Winterquartieren, bei Vorträgen, Workshops oder bei Veranstaltungen wie den Batnights und dem lustigen Fledermausfasching konnte man auf ihn zählen. Er beteiligte sich an Forschungs- und Schutzprojekten zum Großen Mausohr und zur Großen Hufeisennase und brachte sich auch im grenzüberschreitenden Fledermausschutz ein. Außerdem war er immer bereit, Texte und Informationen ins Italienische zu übersetzen.

 

Romano wollte sein Wissen nicht für sich behalten. Er teilte es großzügig, mit Kolleginnen und Kollegen, mit naturkundlich Interessierten und vor allem mit jungen Menschen. Ob im Planetarium Südtirol, im Naturmuseum, am Völser Weiher, in Schulprojekten oder bei öffentlichen Veranstaltungen, Romano konnte Erwachsene und Kinder für die Fledermäuse begeistern, nicht nur sein Wissen vermitteln.

 

Als Lehrer für Chemie, Biologie und Erdwissenschaften blühte Romano im Kreis seiner Schülerinnen und Schüler auf. Am liebsten war er mit ihnen draußen unterwegs. Dort konnte er zeigen, wie spannend die Welt ist, wenn man genau hinsieht, Fragen stellt und bereit ist, sich überraschen zu lassen. Wir können nur erahnen, bei wie vielen jungen Menschen er die Freude an der Natur geweckt und damit vielleicht auch den Grundstein für ihr späteres Engagement im Natur- und Umweltschutz gelegt hat.

 

Wer Romano kannte, erinnert sich aber nicht nur an sein Wissen und seinen Einsatz. Wir erinnern uns an einen sonnigen, humorvollen und sensiblen Menschen, der immer für einen Spaß zu haben war. An gemeinsame Fledermausaktionen und nächtliche Beobachtungen, an Gespräche beim Pizzaessen und an unzählige Momente, in denen er mit Leichtigkeit und Begeisterung sein Wissen teilte. Mit Romano konnte man lachen, staunen, lernen und manchmal auch über die großen Fragen des Lebens diskutieren.

 

Sein Motto lautete mit dem für ihn typischen Augenzwinkern: „Life is hard, and then you die ;-)“. So trocken dieser Satz klingt, so wenig erzählt er doch von all dem, was zwischen Anfang und Ende liegt: von Freundschaft, Begeisterung, Entdeckerlust, geteiltem Wissen und den vielen Spuren, die ein Mensch im Leben anderer hinterlässt.

 

Immer wenn wir Romano trafen, kam früher oder später die Frage:
„Und bei den Fledermäusen? Wie läuft’s dort?“

 

Diese Frage wird uns fehlen. Sein Lachen wird uns fehlen, seine Geschichten, seine Begeisterung und seine unkomplizierte Bereitschaft, mit anzupacken. Mit Romano verlieren wir einen engagierten Naturschützer und Fledermausexperten, einen fähigen und leidenschaftlichen Lehrer, einen großzügigen Kollegen und vor allem einen guten Freund.

 

Aber wir sind uns sicher: Deine Energie ist nicht verschwunden. Sie lebt in den Menschen weiter, die du für die Natur begeistert hast, in deinen Schülerinnen und Schülern, in unseren Erinnerungen und vielleicht auch in jener Fledermaus, die wir an einem Sommerabend durch den Sternenhimmel flattern sehen.

 

Unser Mitgefühl gilt deiner Familie und allen Menschen, die dir nahestanden.

 

Pfiati, Romano.

 

Und falls es irgendwo tatsächlich einen Biervulkan gibt, dann hoffen wir, dass du ihn längst gefunden hast, alter Pastafari.

 

Christian Drescher, Eva Ladurner, Nadia Cazzolli, Valentina Princigalli

Hier finden Sie weitere Artikel, die Ihnen gefallen könnten.

30. November
Das Leben in unseren Seen
18. April
Südafrikas Nationalparks: Vortrag im Naturmuseum

Immer auf dem neuesten Stand

Einmal im Monat versenden wir einen Newsletter mit den aktuellen Veranstaltungen und besonderen Neuigkeiten.
Beim Senden Ihrer Nachricht ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie wurde erfolgreich gesendet.