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Interview mit Evelyn Kustatscher

23. Februar

Spurensuche im Supervulkan

Evelyn Kustatscher ist Konservatorin für Paläobotanik am Naturmuseum Südtirol und Leiterin des Forschungsprojektes „Living with the supervulcano“. Nun kommt das Thema als Sonderausstellungen ins Naturmuseum. Im Laufe der nächsten Wochen werden wir mit verschiedenen Mitarbeitern sprechen, die daran beteiligt sind.

 

Worum geht es beim Projekt „Living with the supervulcano?

 

Der Supervulkan von Bozen war eines der größten Vulkanereignisse der Weltgeschichte, wir sprechen von einem Vulkan, der von Meran bis nach Trient sich in einem Durchmesser von ca. 70 km erstreckt. Seine Aktivität hat vor ungefähr 286 Millionen Jahren angefangen und über 12 Millionen Jahren angedauert. Diese Ausbrüche waren aber nicht kontinuierlich, es gab sie nicht jeden Tag, jeden Monat, oder jedes Jahr, sondern eher hunderte Jahre Vulkanismus und dann hunderte bzw auch Millionen Jahren überhaupt nichts. In diesen Phasen zwischen einem Vulkanausbruch und dem nächsten hat sich natürlich hier das Leben angesiedelt, so ähnlich wie wir es am Mount St. Helens sehen. Was wir jetzt beim Forschungsprojekt machen, ist genau diese Gesteinsschichten zwischen den einzelnen Ausbrüchen zu untersuchen, um zu schauen, welches Leben sich damals angesiedelt hat, welche Tiere und Pflanzen sich an diese Lebensbedingungen anpassen konnten, und wie sie sich über diese 12 Millionen Jahren auch verändert haben.

Welche Tiere haben damals gelebt?

 

Es gab keine Säugetiere so wie heute, es gab auch keinen Menschen,welche Tiere gab es damals? Wir wissen heute, es gab vor allem Amphibien, sprich Frösche, Salamander, lurchartige Tiere und sehr primitive Reptilien. Zwei Exemplare haben wir hier in der Ausstellung: Eine Nachbildung des Tridentinosaurus, man kann sehr gut sehen wie auf einem vulkanischen Gestein sich eine dunkle Silhouette von einem Reptil erhalten hat, und auf der anderen Seite haben wir Fußabdrücke. Jetzt würde jeder sagen, „Super! Ein Skelett“ und „Naja Fußabdrücke“, aber im Prinzip ist es wissenschaftlich genau umgekehrt. Das fossilisierte Skelett sagt uns zwar in etwa, wie groß das Tier war, wie es ausgesehen hat, aber eigentlich sind sie Abdrücke das Spannende. Sie zeigen durch die verschiedenen Größen die Zusammensetzung der Gruppe, wie viele verschiedene Tiere in einer Herde gelebt haben, durch die Distanz können wir beobachten, wie diese Tiere gelaufen sind, also breitbeinig oder eher eng zusammen, ob sie schnell oder langsam waren. Auch ganz toll zum Beispiel, durch Linien im Stein wissen wir, ob sie einen langen Schwanz hatten, den sie hinter sich auf den Boden gezogen haben, oder einen kurzen, den sie in der Luft gehalten haben. Alles das, sprich die Größe, das Verhältnis zueinander, wie sie sich bewegt haben, würden wir alle anhand eines Skeletts gar nicht sehen können.

 

Wie wissen wir, wie damals die Welt ausgeschaut hat?

 

Wenn wir einen Lebensraum vor 280 Millionen Jahren rekonstruieren wollen, dann brauchen wir die Fossilien aller Organismen, die es zu dieser Zeit gegeben hat, die Tiere und ihre Fußabdrücke, die Pflanzen und alles, was sonst noch im Boden erhalten bleibt. Wir haben zum Beispiel ein wunderschönes Exemplar von einem Baumstamm, man sieht sehr gut in der Mitte den Stamm, außen die Wurzeln und Nebenwurzeln, und den originalen Boden. Anhand vom Durchmesser des Stammes können wir feststellen, wie groß diese Pflanze geworden ist. Durch die verschiedenen Reste, die wir dazu finden, und dem Holz sehen wir, um welche Art es sich handelte. Durch die Biotubationen, also durch die Grabspuren der Würmer im Boden, erfahren wir, welche Würmer und Insekten damals existierten und durch die Fußabdrücke können wir auch die Wirbeltiere, die auf dem Boden herum gekrochen sind, rekonstruieren.

 

Und welche Schlüsse habt ihr daraus gezogen?

 

Die Erforschung des Supervulkans und der verschiedenen Schichten, die sich innerhalb dieses Vulkankomplexes abgelagert haben, ermöglichten uns, eine Zeitleiste von 12 Millionen Jahren zu erforschen. Eines der Ergebnisse unseres Forschungsprojektes ist die Tatsache, dass wir in diesen 12 Millionen Jahren einen Klimawandel sehen. Er dauert 2-3 Millionen Jahre. Wir haben einen Gradienten von Pflanzen und Tiere, die feuchte Standorte benötigten, die sehr stark ans Wasser gebunden sind wie Amphibien und Schachtelhalme, immer mehr zu Tieren und Pflanzen die auch lange Zeit (Wochen, Monate, Jahre) ohne starken Niederschlag auskommen können. Das zeigt uns, dass es bereits in der Vergangenheit einen Klimawandel gegeben hat, aber einen sehr langsamen. Wenn wir diese mit der heutige Situation vergleichen, haben wir es mit einer höheren Geschwindigkeit zu tun. Wir reden jetzt davon, dass wir die gleiche Art des Klimawandels in wenigen hunderten bis maximal tausend Jahren erreichen werden, heute durch den Menschen, als früher durch den natürlichen, durch den Vulkanismus geprägten, Wandel.

 

Und nun kommt eine Sonderausstellung zum Thema ins Museum.

 

Ja, als Naturmuseum Südtirol sind wir natürlich sehr daran interessiert der Bevölkerung lokale Themen näherzubringen. Wir haben eine wahnsinnige Sache hier vor unserer Haustür, eines der größten Vulkanereignisse der Weltgeschichte, und keiner weiß es. Deswegen war es uns ein Anliegen diesen Vulkanismus und das Leben zur Zeit dieses Vulkanismus auch der Südtiroler Bevölkerung näherzubringen.

 

Die neue Ausstellung wird am 17. März eröffnet.

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