Interview mit Corrado Morelli

7. März

Spurensuche im Supervulkan

Corrado Morelli ist Geologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojektes „Living with the supervulcano“. Seit zwanzig Jahren arbeitet er an der neuen geologische Aufnahme Südtirols. Heute gibt er uns Auskünfte über der vulkanischen Aktivität, die den Bozner Kessel geformt hat.

 

Wie können wir uns Bozen vor 280 Mio Jahren vorstellen?

 

Um den Bozner Supervulkan zu verstehen, müssen wir uns das gesamte Gebiet in der Nähe des Äquators vorstellen. Vor 280 Millionen Jahren befand sich unsere Region in den Tropen. Damals gab es einen einzigen großen Kontinent, die Pangäa, die das heutige Eurasien mit Afrika verband. Der Vulkanismus, von dem wir hier sprechen, entstand während dem Auseinanderbrechen dieses Kontinents in einen südlichen Teil (der zu Afrika wurde) und einen nördlichen Teil (der zu Eurasien wurde). Zwischen diesen beiden Teilen bildete sich im Laufe von Jahrmillionen ein Ozean, in dem sich die Dolomiten, die wir heute sehen, ablagerten. Somit existierten die Dolomiten wie wir sie heute kennen damals noch nicht.

 

Wir sind in einer idealen Position, um den letzten großen Ausbruch des Supervulkans zu verstehen, denn wir befinden uns genau am nördlichen Rand einer riesigen Caldera, die mehr als 40 Kilometer nach Süden, fast bis nach Trient, reichte. Die Vulkane sind keine klassischen Vulkane wie zum Beispiel der Ätna, sondern s handelt sich um eine riesige Magmakammer unter der Erdoberfläche, wie ein flacher, unterirdischer Lavasee. In dem Moment, in dem der Deckel dieses Sees aufbricht, entweicht das gesamte Magma in einem gigantischen Vulkanausbruch, der das gesamte Gebiet mit einer bis zu tausend Meter dicken Lavamasse überzieht wie eine Decke, und das Gebiet zwischen Meran und Bozen gleichmäßig bedeckt. Dies und vieles mehr kann man in der Sonderausstellung im Naturmuseum in Bozen sehen.

Sind alle Gesteine an der St. Oswald-Promenade vulkanischen Ursprungs?

 

Wir befinden uns nun auf dem Hang, der zur St. Oswald-Promenade führt, auf der Bozen zugewandten Seite, genau entlang des Bruchs, der bei der letzten großen Caldera-Explosion entstanden ist. Die Gesteine, die wir hier sehen, stammen offensichtlich nicht von dieser Eruption, sondern sind älter. Wir sehen hier die Abfolge von Gesteinen, die sich bereits gebildet hatten, bevor die Caldera entstand. Somit haben wir es mit Gesteinen zu tun, die nicht von einer primären Eruption stammen. Diese Gesteine sind vulkanischen Ursprungs, diese Gesteine sind aber durch die Erosion von Vulkangesteinen früherer Eruptionen entstanden. Es handelt sich um abgerundete Gesteinsbrocken (Schuttgestein), die aus Schuttströmen stammen, Ablagerungen, die den Hang hinuntergerutscht sind und sich angesammelt haben. Wir müssen uns eine Landschaft vorstellen, die bereits stufenförmig war, und zwischen einer Stufe und der nächsten häuften sich diese vulkanischen Schuttberge an.

 

Hier sind wir schon etwas höher im Vergleich zu vorher. Wir sind den Hang hinaufgestiegen, und was wir sehen, ist ein Gestein, das sich völlig von dem unterscheidet, was wir vorher gesehen haben. In diesem Fall ist das Gestein viel homogener, massiver. Es handelt sich um einen Lavastrom, einen 275 Millionen Jahre alten Lavastrom, der den Hang hinunterfloss und an dieser Stelle abkühlte, erkennbar an den parallelen Fließlinien durch das Gestein, die auf einen Lavastrom hindeuten.

 

Was geschah beim letzten großen Ausbruch des Supervulkans?

 

Wir befinden uns jetzt am nördlichen Rand der Caldera. Die aktuelle Topografie hilft uns teilweise zu verstehen, was passiert sein könnte. Der hinter uns liegende Hang ist der Teil, der stehen blieb, während der heutige Hang in Richtung Bozen vor 275 Millionen Jahren abbrach und den gigantischen Ausbruch verursachte. Diese Eruption bedeckte das gesamte entstandene Loch mit einer über tausend Meter dicken Gesteinsschicht, die an den Hängen südlich von Bozen zu sehen ist. Die Nordseite hingegen, wo wir uns befinden, wurde von der Schockwelle dieses Magmas getroffen und das Gestein, das wir hier sehen, ist das Ergebnis. Das Gestein hier ist voller Löcher, und diese Löcher sind nichts anderes als glühende Magmastücke, die von der Erosion weggeschleudert wurden. Wir haben also den Beweis, dass wir uns am Rande einer Caldera befinden. Würden wir hier ein Loch Richtung Norden graben und in den Hang eindringen, würden wir in einer Entfernung von etwa 100 Metern ganz andere Gesteine finden, die den Rand der Caldera gebildet haben.

 

 

Die neue Ausstellung wird am 17. März eröffnet.

Hier finden Sie weitere Artikel, die Ihnen gefallen könnten.

23. Februar
Interview mit Evelyn Kustatscher
11. Februar
Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

Immer auf dem neuesten Stand

Einmal im Monat versenden wir einen Newsletter mit den aktuellen Veranstaltungen und besonderen Neuigkeiten.
Beim Senden Ihrer Nachricht ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie wurde erfolgreich gesendet.