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Biodiversität unterwegs
12. Oktober 2021
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31. Dezember 2021

Wenn Pflanzen Zug fahren.

Entlang der Bahnlinie zwischen der Poebene und dem Brenner, zwischen den 65 Metern über dem Meeresspiegel in Verona und den 1.371 Metern am Bahnhof Brenner, gedeiht eine große Artenvielfalt: Mehr als tausend spontan wachsende Arten von krautigen Pflanzen und rund 90 Baum- und Straucharten leben hier. Neben den einheimischen Arten gibt es auch viele exotische, aus anderen Kontinenten. Zu den außergewöhnlichsten gehören die Turiner Wolfsmilch, eine in Italien sehr seltene Art aus dem nördlichen Mittelmeerraum, die kürzlich im Bahnhof Mezzocorona gefunden wurde, und der Gelbe Hornmohn, der 120 Jahre nach seiner letzten Sichtung im Bahnhof Verona Porta Nuova entdeckt wurde.

 

Dass entlang der Bahnlinie Arten wachsen, die natürlicherweise nur außerhalb der Alpen vorkommen, entdeckte der Botaniker Wilhelm Pfaff als erster nach dem Ersten Weltkrieg. Thomas Wilhalm, Konservator für Botanik am Naturmuseum Südtirol, erklärt: „Wilhelm Pfaff untersuchte Bahnhöfe nach nicht-heimischen Arten, die durch unfreiwilligen Transport nach Südtirol gelangten; unter anderem war er auch auf dem ehemaligen Kriegsbahnhof von Branzoll unterwegs, der als Umschlagplatz im Krieg diente. Pfaff war der erste, der sich die Frage stellte, warum es hier so viele fremdländische Pflanzen gibt, die noch nie zuvor in Südtirol beobachtet wurden und hauptsächlich aus dem Mittelmeerraum oder Osteuropa stammten. Dabei kam er zum Schluss, dass diese Pflanzen über das Pustertal hierhergekommen sein müssen und zwar über den Schienenverkehr des Militärs aus dem östlichen Adriagebiet; es gab keine andere Möglichkeit, weil von Süden gab es nach dem Ersten Weltkrieg keine andere Verbindung.“

 

Der ungewollte Transport von Samen durch die Eisenbahn und der Lebensraum der sonnig-trockenen, steinigen Bahnkörper sind die Grundlage für eine ganz besondere, oft unerwartete Flora.

 

Die Diversität der Flora entlang der Bahnstrecke Verona – Innsbruck ist Gegenstand eines Forschungsprojekts, das die Stiftung Museo Civico di Rovereto gemeinsam mit dem Naturmuseum Südtirol und der Universität Innsbruck im Rahmen des Museumsjahres Euregio 2021 zum Thema „Transit – Transport – Mobilität“ durchgeführt hat.

 

Im Rahmen des Projekts wurde auch die Wanderausstellung „Bahnsteig 1. Biodiversität unterwegs“ realisiert: Sie zeigt Paneele, multimediale Stationen und Exponate aus Herbarien und ermöglicht es den Besuchenden, die Eisenbahn mit anderen Augen zu sehen. Thematisiert sind unter anderem die besonderen Verbreitungsstrategien von bestimmten Eisenbahn-Pflanzen, und aktuelle Inhalte wie Globalisierung und Klimawandel: Viele Pflanzen wärmerer Länder schaffen es nicht nur entlang der Brenner-Eisenbahnlinie von Süden nach Norden zu gelangen, sondern sich dort aufgrund der Klimaerwärmung auch einzubürgern.

 

Die Ausstellung ist bis zum 31. Dezember 2021 in der Festung Franzensfeste zu sehen.

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