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Fachzeitschrift Gredleriana präsentiert neue Pflanzen- und Tierarten

Thema: Museum
28. Dezember

Eine für die Botanik neue Hahnenfußart bei Olang und eine Libellenart am Kalterer See sowie eine Schmetterlingsart im Vinschgau, die in Südtirol noch nie beobachtet wurden: Die neuesten Forschungsergebnisse aus der Südtiroler Tier- und Pflanzenwelt sind in der soeben erschienenen Fachzeitschrift des Naturmuseums Gredleriana 23 nachzulesen.

Wie viele Tier- und Pflanzenarten leben auf der Erde? Diese Frage bleibt nach wie vor ungeklärt. Einen Hinweis darauf gibt allerdings die Zahl der Neuentdeckungen bisher unbekannter Tier- und Pflanzenarten. Diese beläuft sich nach Angaben des International Institute for Species Exploration auf rund 18.000 pro Jahr – fast 50 am Tag.

 

Über neue Tier- und Pflanzenarten informiert das Naturmuseum Südtirol in Bozen in seiner jährlichen Fachzeitschrift Gredleriana als Publikationsplattform. Damit will das Landesmuseum das Naturinventar Südtirols erfassen und damit das Wissen und das Verständnis über die heimische Natur erweitern. Die Zeitschrift erscheint seit 2001 jährlich unter dem Namen des Tiroler Wissenschaftlers Pater Vinzenz Maria Gredler (1823 – 1912) und stellt die neuesten Forschungsergebnisse aus den Bereichen Zoologie, Botanik und Ökologie vor.

 

Die kürzlich erschienene 23. Ausgabe informiert beispielsweise über eine regelrechte Sensation und zwar die Entdeckung einer für die Wissenschaft bislang unbekannten Hahnenfuß-Art – und das in Südtirol. Reinhard Bachmann, Mitglied des Arbeitskreises Flora von Südtirol, stieß vor wenigen Jahren bei Olang auf einen Hahnenfuß aus der Gruppe der Gold-Hahnenfüße, die sehr schwer zu bestimmen sind. Der Fachmann für diese Gruppe, Franz G. Dunkel, erkannte darin schließlich eine bislang unbekannte Art und beschrieb sie als neue Art Ranunculus dallatorrei (Dalla Torre-Hahnenfuß, zu Ehren des Autors der historischen Flora von Tirol, Karl Wilhelm Dalla Torre). Damit ist die Wissenschaft um eine Pflanzenart reicher geworden, die bislang nur aus Südtirol bekannt ist.

 

Im Beitrag von Felix Puff, Andreas Hilpold, Christian H. Schulze und Elia Guariento von Eurac Research bzw. dem Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien geht es hingegen um den Violetten Sonnenzeiger (Trithemis annulata), eine Libellenart, die erstmals für die Region Trentino-Südtirol nachgewiesen wurde (bisher nur aus Afrika, Süditalien, Spanien, Südfrankreich und Norditalien bekannt). Eine große Brutpopulation wurde von August bis Oktober 2023 am Kalterer See beobachtet, zusammen mit zwei einzelnen Männchen an anderen Seen. Dies ist der erste Nachweis dieser Art in den Alpen und damit ein Beispiel für die rasche Ausbreitung der Art in Europa in den vergangenen Jahren. Als wahrscheinlichste Ursache für diese Expansion wird die Klimaerwärmung angesehen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Art über kurz oder lang auch nördlich der Alpen Populationen bilden wird.

 

Ebenfalls neu für Südtirol ist der Gelbbinden-Mohrenfalter (Erebia flavofasciata): Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt in der Südschweiz, Exemplare wurden aber auch im Piemont und in Nordtirol nahe der Schweizer Grenze gefunden und im vergangenen Sommer nun auch in Südtirol und zwar in der Sesvennagruppe am Südwesthang des Avinga-Tals auf etwa 2600 Metern Höhe. Damit erweitert sich das bisher bekannte Verbreitungsgebiet dieser Falterart also nach Osten und bereichert den ohnehin schon sehr schmetterlingsreichen Vinschgau (in Südtirol steigt die Zahl der Tagfalterarten mit diesem Falter auf 186). Die Art gilt als besonders empfindlich gegenüber dem Klimawandel und wird daher von der Weltnaturschutzunion IUCN weltweit als „potenziell gefährdet“ und in Italien als „gefährdet“ eingestuft; Elia Guariento, Emanuele Repetto und Andreas Hilpold von Eurac Research schlagen daher in ihrem Artikel in der Gredleriana vor, Naturschutzmaßnahmen für das Avinga-Tal in Erwägung zu ziehen.

 

Die Gredleriana 23 ist zum Preis von 25 Euro im Shop des Naturmuseums oder kostenlos als Online-Version auf der Webseite des Museums unter diesem Link erhältlich.

 

Infos: Tel. 0471 412964

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